Feier zum 150- jährigen Bestehen des SPD Ortsvereins Husum

 

Liebe Genossinnen und Genossen, liebe Husumer Bürgerinnen und Bürger, liebe Gäste. Ich freue mich, dass Sie und ihr hier so zahlreich erschienen seid, um unser Jubiläum mit uns zu begehen.

150 Jahre SPD in Husum. Anlass für uns, uns etwas Zeit für einen kleinen Rückblick auf die Entwicklung dieser politischen Gruppe von der Gründung bis zu den Anfängen unserer jetzigen Demokratie zu nehmen. Auch wenn August Bebel uns einst gemahnt hat, wir sollen keinen Personenkult betreiben, wird es nur schwer möglich sein, die Geschichte der SPD in dieser Stadt Revue passieren zu lassen, ohne nicht den Einen oder Anderen namentlich zu erwähnen, der hier in hundertfünfzig Jahren gewirkt hat. Wir sollten aber im Hinterkopf behalten, dass die Genannten für unzählige Andere stehen, ohne die diese Geschichte nicht möglich gewesen wäre.

April 1869 in Husum - sechs Jahre nachdem Ferdinand Lassalle im Mai 1863 in Leipzig den Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein gründete, unternahm ein Schneidergeselle namens Hermann Kühn den Versuch in Husum eine Ortsgruppe des ADAV ins Leben zu rufen. Die Genossen hatten es in Husum nicht leicht. War Husum doch keine Stadt mit Fabriken mit vielen Arbeitern. Der größte Betrieb war damals wohl die Husumer Bierbrauerei, die etwa 20 Menschen beschäftigte. So waren es also in Husum zunächst die freien Handwerker, die versuchten die lasalleanischen Ideen zu verbreiten. Doch das war gar nicht so leicht. Die Genossen galten als „vaterlandslose Gesellen“ und wurden vom Bürgertum misstrauisch beäugt und verachtet. Auch der königlichen Regierung zu Schleswig war die Bewegung ein Dorn im Auge, Versammlungen waren anzumelden und konnten nur unter polizeilicher Beobachtung durchgeführt werden. Über die Versammlungen waren der königlichen Regierung innerhalb von acht Tagen Bericht zu erstatten. In der Amtszeit von Emanuel Gurlitt als Husumer Bürgermeister observierte dieser eine Reihe von Versammlungen in der Husumer Centralhalle höchstpersönlich, unermüdlich auf der Suche nach Gründen diese Versammlungen aufzulösen, um dann über seine Erfolge diesbezüglich Bericht an die Regierung zu erstatten. Den Aufforderungen, die Versammlungen zu beenden, leisteten die Genossen zwar Folge, nicht ohne aber die Gelegenheit beim Schopfe zu ergreifen, noch einmal lautstark die Arbeitermarseillaise zum Besten zu geben. Auch heute sind wir hier im Beisein des Bürgermeisters versammelt. Aber lieber Uwe, ich kann dich beruhigen, wir werden heute nicht singen. Das tun später andere und die haben auch anderes Liedgut im Repertoire. Außerdem bin ich guter Hoffnung, dass der Bürgermeister unsere Versammlung heute nicht auflösen wird.

Wie schwer das Gesetz gegen die gemeingefährlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie von 1878 es der Arbeiterbewegung auch machte, die Idee als solche war nicht aufzuhalten.  Bismarcks Sozialgesetzgebung Ende des ausgehenden 19. Jahrhunderts wäre nicht ohne den Druck der sozialdemokratischen Arbeiterbewegung denkbar gewesen.

Die erste sozialdemokratische Repräsentation im Stadtparlament gab es erst im Jahr 1912, als der Schneidermeister Fritz Klußmann überraschend gewählt wurde.

Kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs zählte die SPD im Reichstagswahlkreis 4 381 Mitglieder. 83 von ihnen waren Frauen. Die SPD war die einzige Partei, die sich im Reichstag schon 1895 für das Wahlrecht von Frauen eingesetzt hatte.

Es sollte noch bis 1918 dauern, bis auch Frauen wählen und gewählt werden durften. Am 19. Februar 1919 sprach zum ersten Mal eine Sozialdemokratin in der Weimarer Nationalversammlung. Knapp einen Monat später zur Stadtverordnetenwahl im März 1919 zieht erstmals eine Frau für die SPD in das Stadtparlament in Husum ein. Dies war Christine Petersen.

Schicksalsjahr 1919, Geburtsstunde der ersten Demokratie in Deutschland. Die junge Demokratie hat es nicht leicht, muss sich gegen fortwährende Angriffe von links und rechts zur Wehr setzen. In Husum gründet sich eine Ortsgruppe des Reichsbanners Schwarz – Rot - Gold.

Vorsitzende des Reichsbanners waren der Maurer Fritz Carstens und der SAJ (Sozialistische Arbeiter Jugend) Vorsitzende Walter Lurgenstein, beide Sozialdemokraten. Das Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold macht mit vielen Veranstaltungen in Husum auf die Gefahr von rechts aufmerksam.

Trotz unermüdlichem Einsatz für den Erhalt der jungen Demokratie endet sie am 30. Januar 1933.  Als am 27. Februar 1933 der Reichstag brennt, gibt es kurz danach Gerüchte, der Brandstifter hätte Kontakt zu Sozialdemokraten gehabt. Am 23. März 1933 beschließt der Reichstag das sogenannte Ermächtigungsgesetz. Die anwesenden Sozialdemokraten stimmen geschlossen dagegen und sind damit die einzigen, die den Mut haben dem kommenden Regime die Stirn zu bieten. Unvergessen ist die letzte freie Rede von Otto Wels: „Freiheit und Leben kann man uns nehmen, die Ehre nicht.“ Er sollte Recht behalten.  Sehr vielen Sozialdemokraten wird in den kommenden 12 Jahren die Freiheit genommen, vielen auch das Leben.  Doch wie haben die Husumer Genossen das dunkelste Kapitel in der deutschen Geschichte erlebt? Darüber wissen wir nur wenig, aber was wir wissen ist folgendes: Im Vorfeld zu den Kommunalwahlen am 12. März 1933 werden die Sozialdemokraten im Wahlkampf massiv behindert. Es gab ein Presseverbot, so dass man ausschließlich auf Mund zu Mund Propaganda angewiesen war. Trotzdem gelingt es, drei Mandate in Husum zu erringen. Ihr Mandat ausüben, das können die drei SPD Vertreter nicht. Nachdem ihnen auf der Sitzung des Stadtparlaments am 11.4.1933 von Seiten der NSDAP Vertreter offen gedroht wird, legen sie ihre Mandate nieder.  Schon am Tag nach Inkrafttreten des Ermächtigungsgesetzes waren beim Ortsvereinsvorsitzenden Meinhard Albrecht in der Rosenstraße und bei Walter Lurgenstein Hausdurchsuchungen vorgenommen worden, beide werden anschließend in Schutzhaft genommen. 1944 kommt es zu weiteren Verhaftungen unter den Husumer Genossen. Christine Petersen entkommt dem Transport ins KZ nur weil der Transportzug unter Tieffliegerbeschuß gerät und zurück nach Kiel fährt.  Kurz nach dem Attentat des 20. Juli 1944 wird der Fischer Mathias Jacobsen verhaftet und ins KZ Neuengamme gebracht. Sein Sohn wendet sich in einem Brief an Heinrich Himmler persönlich, bittet um die Freilassung des Vaters und lässt sich selbst an die Front versetzen. Daraufhin wird Mathias Jacobsen am 26. September wieder freigelassen. Auch Meinhard Albrecht wird 1944 wieder verhaftet und muss den Gang ins KZ antreten.

Nach dem 2. Weltkrieg setzt die SPD in Husum ihre Arbeit dort fort, wo sie 1933 geendet hatte. Nachdem per Verordnung vom 15. September die Neugründung von Parteien wieder erlaubt war, bildet sich ein neuer SPD- Ortsverein. Meinhard Albrecht wird zum Ortsvereinsvorsitzenden gewählt, Fritz Carstens wird stellvertretender Ortsvereinsvorsitzender. Im Januar 1946 kommt das von den Briten ernannte Stadtparlament im Thomas Hotel erstmals zusammen. Es sind sieben Sozialdemokraten unter den Stadtverordneten, unter ihnen Meinhard Albrecht, Walter Lurgenstein, Fritz Carstens und Fritz Lorenzen. Die Einwohnerzahlen Husums hatten sich nach Kriegsende durch den Zuzug von Flüchtlingen fast verdoppelt. Wohnraum für alle zu finden, war eine enorme Herausforderung. Die britische Besatzungsmacht ernennt Fritz Carstens zum Bausenator. Der vorhandene Wohnraum musste möglichst gerecht auf alle verteilt werden, gleiches galt für Konsumgüter, Baumaterialien und Brennstoff. Es galt zunächst den Mangel zu verwalten. Dies änderte sich erst mit der Währungsreform. 1950 entsteht mit dem Generalbebauungsplan eine erste bewusste Städteplanung. Wohngenossenschaften bauen neue Wohnsiedlungen, es entstehen neue Stadtteile. Innerhalb von 14 Jahren entstehen 3000 neue Wohnungen.

An dieser Stelle will ich meinen Rückblick über die Entwicklung des Ortsvereins schließen. Natürlich könnte man noch so manches berichten, aber Hundertfünfzig Jahre lassen sich nicht in zehn Minuten erzählen. SPD Vertreter haben 150 Jahre lang die Geschicke dieser Stadt konstruktiv begleitet und ihren Beitrag dazu geleistet, dass Husum heute das ist, was es ist, eine bunte, tolerante, lebendige Stadt, kurz: eine Stadt, in der man gerne lebt.

Die SPD hat in ihrer Geschichte viele Krisen erlebt und überlebt.  Und ich glaube, die SPD kann- auch hier in Husum- mit Fug und Recht behaupten ein Stück Geschichte geschrieben zu haben, ohne und das müssen wir noch einmal betonen, ohne selbst Geschichte zu sein. Und das wollen wir jetzt ausgiebig feiern.

 

Festrede gehalten von Susanne Rignanese aus Anlaß des 150- jährigen Bestehens des SPD Ortsvereins Husum auf der Jubiläumsveranstaltung am 10.8.2019

 

 

 

Standortsuche für Husums neues Hallenbad

Eigentlich wäre alles so einfach gewesen:

Seit einigen Jahren wissen wir, dass unser Hallenbad an der Flensburger Chaussee abgängig ist. Und damit es uns nicht so gehen sollte,  wie den Schleswiger Bürgern mit ihrem Theater und wir eines Tages kein Bad mehr haben, wurde eine Arbeitsgruppe interfraktionell besetzt, die das wohl notwendig werdende Projekt Neubau untersuchen sollte; hinsichtlich der Finanzierbarkeit, der steuerlichen Aspekte, der Größe des Bades und des Standortes. Diese Gruppe hat fleißig gearbeitet und uns ein Ergebnis vorgelegt, mit dem wir arbeiten können:

Sie schlägt ein Familienbad vor, Kosten derzeit geschätzt ca. 22 Millionen € ;  Standort: Kielsburg wegen der verkehrsgünstigen Lage. Das hört sich vernünftig an, stieß aber sofort auf Widerstand in der Gruppe der tatsächlich oder selbsternannten Tourismusfachleute. Diese predigen schon lange, dass sich Husum an dem Seebad Büsum orientieren solle. Diese Gruppe sah nun – da ja ohnehin neu gebaut werden müsse, die Chance gekommen, sich nicht mehr mit einem Mittelklassewagen vom Typ Golf zufrieden zu stellen, sondern forderte, nun endlich den SUV – Sport Utility Van - zu bestellen, der für Husum angemessen sei, sprich: ein Touristenbad zu erstellen, Ort: Dockkoog oder Porrenkoog.

Die Mehrkosten in der Erstellung würden letztlich durch die zu erwartenden Mehrbesucher ausgeglichen werden. Dabei kam der Dockkoog aus verschiedenen Gründen nicht in Frage, wohl aber der Porrenkoog.

Und es kam, wie es kommen musste, einem Antrag der Verwaltung, ein Familienbad zu errichten, wurde ein zweiter Antrag der WGH-Fraktion gegenübergestellt, ein Bad im Porrenkoog zu errichten, so dass wir heute zwischen beiden Anträgen zu entscheiden haben, heißt aber auch, dass wir eine Abwägung vornehmen müssen: SUV oder Golf.

Die WGH-Fraktion hat auch einen Antrag gestellt hinsichtlich einer Auskunft über die haushalterischen Auswirkung der Besucherzahlen des neuen Bades. Sie geht dabei von den Zahlen des alten Bades 2016 aus und einer Steigerung um ca. 80000,-- € bei einem neuen Bad. Das Rechenbeispiel kann für ein neues Bad in Kielsburg gelten, nicht jedoch für ein Bad im Porrenkoog, da dort die Erstellungskosten bedeutend höher sind, also mit den angegebenen ca. 21. Millionen Berechnungsgrundlage nicht ausgekommen werden kann. Einfacher: es ist teurer im Koog zu bauen als auf der Geest bei Kielsburg.

Dies muss begründet werden:

  1. Der städtische Parkplatz Porrenkoog ist für den Neubau nicht groß genug. Grunderwerb muss also getätigt werden. Der Untergrund ist bekanntermaßen sehr schlecht; eine Pfahlgründung mit erheblichen Aufwand wird nötig, das Grundwasser  liegt dort sehr hoch.
  2. Direkt neben dem Parkplatz befindet sich die bereits angelegte Bautrasse für die Straße vom neuen Bahnübergang zur Dockkoogstraße. Diese Trasse ist bebauungsreif, sie kann nur verlegt werde, wenn man sehr viel Geld ausgeben würde. 
  3. Und auch wenn man die Trasse belassen würde, entstehen Kosten. Man wird Parkplätze so nur hinter der Trasse anlegen können. Das bedeutet, die neue Straße muss überbrückt werden und zwar so, dass auch größere Schwerlastwagen mit Aufbauten (z.B. Fa. Wulf) sie passieren können.
  4. Das Regenrückhaltebecken, das ebenfalls bereits vorhanden ist, muss verlegt werden – auch dies wird ein erheblicher Posten sein. Dort muss dann ebenfalls ein Parkplatz angelegt werden müssen.
  5. Der gesamte Koog ist Überflutungsgebiet, das Wasser fließt über den Mardesielzug ab, dessen Siel in der Nähe der Baustelle liegt, also erst zuletzt.
  6. Planerische Voraussetzungen dürfte auch hier rechtlich schwer zu erreichen sein, denn ein großer Teil des Kooges befindet sich ebenfalls im Landschaftsschutzgebiet.
  7. Eisenbahn
    Das neue Bad wäre auch an dieser Stelle nur über den neuen Bahnübergang in Höhe Langenharmstraße zu erreichen. Auch dieser neue Bahnübergang wird den Mehrverkehr durch das Bad zu bewältigen haben, ich kann nicht beurteilen, ob dort genügen Stauraum vorhanden sein wird. Wann dort gebaut werden kann, ist ebenfalls ungewiss.

 

Die Quintessenz daraus ist meiner Meinung nach: wegen der sehr hohen Kosten, die jetzt nicht im Einzelnen benannt werden, sondern nur geschätzt werden können, verbietet sich ein Bad am Porrenkoog.

 

Es kommt hinzu:

Der Porrenkoog ist landschaftlich außerordentlich reizvoll. Wenige Meter nach dem jetzigen Bahnübergang öffnet sich der Blick in die weite saftige Marsch des Kooges: wir sehen den sich schlängelnden Madesielzug, den Schobüller Berg, die Hattstedter Kirche. – Wir erleben den Blick noch wie Theodor Storm. Auch das eine Besonderheit, die wir nicht zerstören dürfen , und wenn Sie am Sonntag dort spazieren gehen, teilen die den Blick. Mit hunderten von Menschen, die genau hier Erholung finden.                                            

 

Die Vorteile des Standorts Kielsburg liegen auf der Hand:    

  • Erreichbarkeit aus allen Richtungen
  • Grund- und Boden gehören der Stadt
  • Es ist genügend Platz für weitere Sportanlagen und Parkplätze
  • Und es steht vor allem für die Husumer und Husumerinnen, für die Kinder, die Jugendlichen und die Bundeswehrangehörigen zu Verfügung.

 

Und schließlich möchte ich Ihnen doch noch einmal Storm in Erinnerung rufen:

   Ostern (Gedicht von Theodor Storm)

Lassen Sie bitte die Entscheidung heute nicht zu einem Karfreitag für den Porrenkoog werden.

Ihr

Dr. Ulf von Hielmcrone

Aktuelles aus der Fraktion


Liebe Bürgerinnen und Bürger,

Ihre SPD Stadtfraktion kann zum Ende der laufenden Wahlperiode auf eine erfolgreiche Arbeit zurückblicken. Die SPD ist die stärkste politische Kraft in Husum. Wir konnten viele Vorhaben aus unserem Wahlprogramm umsetzen und Husum steht heute besser da als vor 5 Jahren. Dafür haben Ihre SPD Stadtvertreterinnen und Stadtvertreter sich mit ihrer ganzen Kraft eingesetzt. Die Zusammenarbeit mit der FDP hat sich bewährt und gemeinsam konnten wir, sicherstellen, dass Husum mit Peter Empen einen integrierenden und beliebten Bürgervorsteher hat. Wie wichtig das ist zeigte sich nicht nur in den Jahren 2015 und 2016 als auch Husum Zufluchtsort für viele Menschen wurde, die ihre Heimat verlassen mussten. Damals wurde durch die Bürgerinnen und Bürger unserer schönen Stadt ein starkes Zeichen der Hilfsbereitschaft und des Mitgefühls gesetzt. 

Aber auch mit den anderen Fraktionen im Stadtverordnetenkollegium haben wir inhaltlich sehr erfolgreich zusammengearbeitet. Vielfach sind die kommunalen Fragen und Probleme schwierig und unübersichtlich, oft ist die rechtliche Lage verzwickt und natürlich steckt auch noch der finanzielle Rahmen enge Grenzen. 

Kann Kommunalpolitik unter diesen Bedingungen noch erfolgreich sein? Ja, das kann sie! Es ist sehr viel erreicht worden. Für uns Sozialdemokraten liegt der Fokus dabei zuerst bei den Menschen mit kleinen und mittleren Einkommen. Wir wollen hier die Lebensbedingungen verbessern durch gute Kitas, gute Schulen, eine breit aufgestellte Wirtschaft mit einer Vielfalt von Ausbildungsplätzen und guten, anständig bezahlten Arbeitsplätzen. Aber dazu bedarf es auch guter Bedingungen für das Handwerk, für Dienstleistungen und die mittelständig geprägte Wirtschaft in Husum. Die Stichworte lauten hier Verkehrsanbindung, Breitband, kurze Wege, schnelle Genehmigungsverfahren, ausreichend Gewerbeflächen, verlässliche Steuern und vieles mehr. 

Husum braucht auch eine Weiterentwicklung der touristischen Infrastruktur. Nur so entstehen neue, gut bezahlte Arbeitsplätze und auf diese werden wir in der Zukunft noch stärker angewiesen sein. Unsere Mitbewerber schlafen nicht und der Tourismus wird perspektivisch eine noch stärkere Säule der Wirtschaft an der Westküste sein. Deshalb setzen wir uns für eine Entwicklung am Dockkoog ein.

Überall dort, wo Straßen saniert werden mussten, entstand auch in Husum große Unruhe wegen der teils sehr hohen Straßenausbaubeiträge, die von den Anliegern gezahlt werden müssen. Damit diese in vielen Fällen als nicht mehr verhältnismäßig wahrgenommenen Einzelbelastungen aufhören, hat die SPD Stadtfraktion von Anfang an die Einführung der wiederkehrenden Beiträge unterstützt. Diese stellen sicher, dass sich die Belastungen im Einzelfall durch einen vielfach höheren Teiler relativieren. Sie unterscheiden sich in einem Punkt ganz wesentlich von anderen Umlageverfahren, z. B. der Erhöhung der Grundsteuern zur Finanzierung von Ausbaumaßnahmen. Die wiederkehrenden Beiträge sind nämlich im Gegensatz zu den Grundsteuern zweckgebunden. Damit droht nicht die Gefahr, dass zusätzliche Mittel im allgemeinen Haushalt versickern und Straßen nach wie vor in einem schlechten Zustand verbleiben. Außerdem wichtig: Die wiederkehrenden Beiträge dürfen nur in der Höhe und für die Dauer der Finanzierung tatsächlich durchgeführter Maßnahmen erhoben werden.

Neben guten ökonomischen Bedingungen und guten Bildungschancen sind ein leistungsfähiges soziales Netz und eine vielfältige Kulturlandschaft Grundpfeiler unseres Gemeinwesens. Auch hier hat sich viel getan. Mit unserer Unterstützung konnte das Angebot an Kindertagesbetreuung ausgebaut werden. Beim Kinderschutzbund, bei der AWO, der Lebenshilfe und bei der Bundeswehr sind neue Plätze entstanden. In Husum wird eine weitere neue Kindertagesstätte entstehen. In der Zwischenzeit konnte das Auswahlverfahren für den neuen Träger abgeschlossen werden. Auch in die Ganztagsbetreuung an den Schulen wurde investiert und Bildung genießt insgesamt einen hohen Stellenwert in Husum. Bei der Kulturförderung setzen wir auf die große Vielfalt der Anbieter. Es ist der Mix aus etablierten und neuen Einrichtungen und Kulturschaffenden, die diese Stadt so bunt und lebenswert machen.

Husum lebt von seinem historischen Stadtbild. Die Innenstadt, der Hafen, die westliche Altstadt und das Schloss tragen wesentlich zum Charakter der Stadt bei. Neubauten müssen sich in dieses Umfeld einfügen ohne wertvolle historische Gebäude zu bedrängen und zu relativieren. Dabei muss auch moderne Architektur zugelassen werden. Es wäre falsch hier nur auf historisierende Kopien zu setzen. Jede Zeit in den letzten vierhundert Jahren hat die Entwicklung und das Erscheinungsbild der Stadt geprägt. Diesen Kurs sollten wir behutsam fortsetzen.

Freizeit, Erholung, Sport und Gesundheit sind wichtige Themen in der Stadt. Wir haben gemeinsam mit anderen Fraktionen die Grundlagen für die Weiterentwicklung des Klinikums beschlossen. Die Stadt soll noch besser zum Verweilen einladen. Deshalb müssen mehr Bereiche mit hohem Aufenthaltswert geschaffen und vorhandene Plätze müssen aufgewertet werden. Ein Beispiel ist hier die Kleikuhle, die nunmehr als wirklicher Platz hergestellt werden soll. Unsere Innenstadt mit dem vielfältigen und leistungsfähigen Angebot von Handel und Dienstleistungen ist ein großes Pfund, das uns unter den Mittelstädten in Schleswig-Holstein einzigartig macht. Die verkehrliche Erreichbarkeit – auch mit dem Auto – bei gleichzeitiger Verbesserung für Fahrradfahrer und Fußgänger bleibt eine Herausforderung. Sie ist aber alternativlos, wenn wir nicht die gleichen Fehler machen wollen wie andere Städte deren Innenstädte große Probleme haben.

Seit Jahren wissen wir schon, dass wir für das städtische Hallenbad einen Ersatz brauchen. Das vorhandene Bad hat das Ende der Restnutzungszeit erreicht. Weil am jetzigen Standort keine Entwicklung, zum Beispiel durch einen Außenbereich, aus Lärmschutzgründen möglich ist und weil ein Bau am selben Standort dazu führen würde, dass wir mindestens 2 Jahre kein Bad hätten, wird ein neuer Standort gesucht. Die Bedingungen für einen neuen Standort sind eine gute Erreichbarkeit durch eine gute Verkehrsanbindung, ausreichend Fläche auch für einen attraktiven Außenbereich, genügend Parkflächen und nicht zuletzt muss die Fläche baurechtlich ein Bad zulassen und es dürfen keine unverhältnismäßigen Kosten entstehen.

Die SPD Stadtfraktion steht dabei dem Vorschlag offen gegenüber im Zusammenhang mit dem Neubau eines Hallenbades auch planerisch weitere Freizeit und Sportangebote zu realisieren. Die Finanzierung muss dabei aber von den jeweiligen Vorhabenträgern sichergestellt werden. In jedem Fall ließen sich so Synergien bei der verkehrlichen Erschließung, bei Parkflächen und bei der energetischen Versorgung realisieren.

Husum ist eine wachsende Stadt und eine Stadt wachsender Anforderungen. Wir müssen in der Kommunalpolitik in diesem Spannungsfeld Entscheidungen treffen und Ziele festlegen. Wir Sozialdemokraten prägen die Kommunalpolitik in Husum seit vielen Jahren. Aktuell stellen wir mit Peter Empen den Bürgervorsteher. Der Hauptausschuss wird von Torsten Schumacher geleitet, der Umwelt- und Planungsausschuss von Dr. Ulf von Hielmcrone. Mit Inge Zimmermann im Werkausschuss und Torsten Schumacher im Ausschuss für Schule, Kultur und Sport stellen wir zwei stellvertretende Vorsitzende.

Wie sieht es mit dem Miteinander im Stadtverordnetenkollegium aus? Wir pflegen in den Ausschüssen und in der Zusammenarbeit mit der Verwaltung auch bei unterschiedlichen Auffassungen einen respektvollen und konstruktiven Umgang. Unsere Fraktionsarbeit zeichnet sich durch eine große Lebendigkeit aus, bei der es trotz zuweilen anstrengender und/oder dröger Themen durchaus auch humorvoll zugeht. Die Zusammenarbeit mit den Kollegen aus der FDP trägt zu dem guten Klima bei, befruchtet die politische Arbeit und zeichnet sich durch hohe gegenseitige Wertschätzung aus.

Deshalb gibt es auf die Frage, ob Kommunalpolitik auch heute noch Spaß macht zwei Antworten. Ja, sie macht Spaß, wenn man an der Entwicklung von Dingen Anteil hat und aus Beschlüssen auch entsprechende Ergebnisse werden und ja, es macht auch Spaß mit anderen zusammenzuarbeiten, zu diskutieren, manchmal auch zu streiten und im Ergebnis nachher geschlossen aufzutreten.

Ihr 

Horst Bauer, Fraktionsvorsitzender