Standortsuche für Husums neues Hallenbad

Eigentlich wäre alles so einfach gewesen:

Seit einigen Jahren wissen wir, dass unser Hallenbad an der Flensburger Chaussee abgängig ist. Und damit es uns nicht so gehen sollte,  wie den Schleswiger Bürgern mit ihrem Theater und wir eines Tages kein Bad mehr haben, wurde eine Arbeitsgruppe interfraktionell besetzt, die das wohl notwendig werdende Projekt Neubau untersuchen sollte; hinsichtlich der Finanzierbarkeit, der steuerlichen Aspekte, der Größe des Bades und des Standortes. Diese Gruppe hat fleißig gearbeitet und uns ein Ergebnis vorgelegt, mit dem wir arbeiten können:

Sie schlägt ein Familienbad vor, Kosten derzeit geschätzt ca. 22 Millionen € ;  Standort: Kielsburg wegen der verkehrsgünstigen Lage. Das hört sich vernünftig an, stieß aber sofort auf Widerstand in der Gruppe der tatsächlich oder selbsternannten Tourismusfachleute. Diese predigen schon lange, dass sich Husum an dem Seebad Büsum orientieren solle. Diese Gruppe sah nun – da ja ohnehin neu gebaut werden müsse, die Chance gekommen, sich nicht mehr mit einem Mittelklassewagen vom Typ Golf zufrieden zu stellen, sondern forderte, nun endlich den SUV – Sport Utility Van - zu bestellen, der für Husum angemessen sei, sprich: ein Touristenbad zu erstellen, Ort: Dockkoog oder Porrenkoog.

Die Mehrkosten in der Erstellung würden letztlich durch die zu erwartenden Mehrbesucher ausgeglichen werden. Dabei kam der Dockkoog aus verschiedenen Gründen nicht in Frage, wohl aber der Porrenkoog.

Und es kam, wie es kommen musste, einem Antrag der Verwaltung, ein Familienbad zu errichten, wurde ein zweiter Antrag der WGH-Fraktion gegenübergestellt, ein Bad im Porrenkoog zu errichten, so dass wir heute zwischen beiden Anträgen zu entscheiden haben, heißt aber auch, dass wir eine Abwägung vornehmen müssen: SUV oder Golf.

Die WGH-Fraktion hat auch einen Antrag gestellt hinsichtlich einer Auskunft über die haushalterischen Auswirkung der Besucherzahlen des neuen Bades. Sie geht dabei von den Zahlen des alten Bades 2016 aus und einer Steigerung um ca. 80000,-- € bei einem neuen Bad. Das Rechenbeispiel kann für ein neues Bad in Kielsburg gelten, nicht jedoch für ein Bad im Porrenkoog, da dort die Erstellungskosten bedeutend höher sind, also mit den angegebenen ca. 21. Millionen Berechnungsgrundlage nicht ausgekommen werden kann. Einfacher: es ist teurer im Koog zu bauen als auf der Geest bei Kielsburg.

Dies muss begründet werden:

  1. Der städtische Parkplatz Porrenkoog ist für den Neubau nicht groß genug. Grunderwerb muss also getätigt werden. Der Untergrund ist bekanntermaßen sehr schlecht; eine Pfahlgründung mit erheblichen Aufwand wird nötig, das Grundwasser  liegt dort sehr hoch.
  2. Direkt neben dem Parkplatz befindet sich die bereits angelegte Bautrasse für die Straße vom neuen Bahnübergang zur Dockkoogstraße. Diese Trasse ist bebauungsreif, sie kann nur verlegt werde, wenn man sehr viel Geld ausgeben würde. 
  3. Und auch wenn man die Trasse belassen würde, entstehen Kosten. Man wird Parkplätze so nur hinter der Trasse anlegen können. Das bedeutet, die neue Straße muss überbrückt werden und zwar so, dass auch größere Schwerlastwagen mit Aufbauten (z.B. Fa. Wulf) sie passieren können.
  4. Das Regenrückhaltebecken, das ebenfalls bereits vorhanden ist, muss verlegt werden – auch dies wird ein erheblicher Posten sein. Dort muss dann ebenfalls ein Parkplatz angelegt werden müssen.
  5. Der gesamte Koog ist Überflutungsgebiet, das Wasser fließt über den Mardesielzug ab, dessen Siel in der Nähe der Baustelle liegt, also erst zuletzt.
  6. Planerische Voraussetzungen dürfte auch hier rechtlich schwer zu erreichen sein, denn ein großer Teil des Kooges befindet sich ebenfalls im Landschaftsschutzgebiet.
  7. Eisenbahn
    Das neue Bad wäre auch an dieser Stelle nur über den neuen Bahnübergang in Höhe Langenharmstraße zu erreichen. Auch dieser neue Bahnübergang wird den Mehrverkehr durch das Bad zu bewältigen haben, ich kann nicht beurteilen, ob dort genügen Stauraum vorhanden sein wird. Wann dort gebaut werden kann, ist ebenfalls ungewiss.

 

Die Quintessenz daraus ist meiner Meinung nach: wegen der sehr hohen Kosten, die jetzt nicht im Einzelnen benannt werden, sondern nur geschätzt werden können, verbietet sich ein Bad am Porrenkoog.

 

Es kommt hinzu:

Der Porrenkoog ist landschaftlich außerordentlich reizvoll. Wenige Meter nach dem jetzigen Bahnübergang öffnet sich der Blick in die weite saftige Marsch des Kooges: wir sehen den sich schlängelnden Madesielzug, den Schobüller Berg, die Hattstedter Kirche. – Wir erleben den Blick noch wie Theodor Storm. Auch das eine Besonderheit, die wir nicht zerstören dürfen , und wenn Sie am Sonntag dort spazieren gehen, teilen die den Blick. Mit hunderten von Menschen, die genau hier Erholung finden.                                            

 

Die Vorteile des Standorts Kielsburg liegen auf der Hand:    

  • Erreichbarkeit aus allen Richtungen
  • Grund- und Boden gehören der Stadt
  • Es ist genügend Platz für weitere Sportanlagen und Parkplätze
  • Und es steht vor allem für die Husumer und Husumerinnen, für die Kinder, die Jugendlichen und die Bundeswehrangehörigen zu Verfügung.

 

Und schließlich möchte ich Ihnen doch noch einmal Storm in Erinnerung rufen:

   Ostern (Gedicht von Theodor Storm)

Lassen Sie bitte die Entscheidung heute nicht zu einem Karfreitag für den Porrenkoog werden.

Ihr

Dr. Ulf von Hielmcrone

Aktuelles aus der Fraktion


Liebe Bürgerinnen und Bürger,

Ihre SPD Stadtfraktion kann zum Ende der laufenden Wahlperiode auf eine erfolgreiche Arbeit zurückblicken. Die SPD ist die stärkste politische Kraft in Husum. Wir konnten viele Vorhaben aus unserem Wahlprogramm umsetzen und Husum steht heute besser da als vor 5 Jahren. Dafür haben Ihre SPD Stadtvertreterinnen und Stadtvertreter sich mit ihrer ganzen Kraft eingesetzt. Die Zusammenarbeit mit der FDP hat sich bewährt und gemeinsam konnten wir, sicherstellen, dass Husum mit Peter Empen einen integrierenden und beliebten Bürgervorsteher hat. Wie wichtig das ist zeigte sich nicht nur in den Jahren 2015 und 2016 als auch Husum Zufluchtsort für viele Menschen wurde, die ihre Heimat verlassen mussten. Damals wurde durch die Bürgerinnen und Bürger unserer schönen Stadt ein starkes Zeichen der Hilfsbereitschaft und des Mitgefühls gesetzt. 

Aber auch mit den anderen Fraktionen im Stadtverordnetenkollegium haben wir inhaltlich sehr erfolgreich zusammengearbeitet. Vielfach sind die kommunalen Fragen und Probleme schwierig und unübersichtlich, oft ist die rechtliche Lage verzwickt und natürlich steckt auch noch der finanzielle Rahmen enge Grenzen. 

Kann Kommunalpolitik unter diesen Bedingungen noch erfolgreich sein? Ja, das kann sie! Es ist sehr viel erreicht worden. Für uns Sozialdemokraten liegt der Fokus dabei zuerst bei den Menschen mit kleinen und mittleren Einkommen. Wir wollen hier die Lebensbedingungen verbessern durch gute Kitas, gute Schulen, eine breit aufgestellte Wirtschaft mit einer Vielfalt von Ausbildungsplätzen und guten, anständig bezahlten Arbeitsplätzen. Aber dazu bedarf es auch guter Bedingungen für das Handwerk, für Dienstleistungen und die mittelständig geprägte Wirtschaft in Husum. Die Stichworte lauten hier Verkehrsanbindung, Breitband, kurze Wege, schnelle Genehmigungsverfahren, ausreichend Gewerbeflächen, verlässliche Steuern und vieles mehr. 

Husum braucht auch eine Weiterentwicklung der touristischen Infrastruktur. Nur so entstehen neue, gut bezahlte Arbeitsplätze und auf diese werden wir in der Zukunft noch stärker angewiesen sein. Unsere Mitbewerber schlafen nicht und der Tourismus wird perspektivisch eine noch stärkere Säule der Wirtschaft an der Westküste sein. Deshalb setzen wir uns für eine Entwicklung am Dockkoog ein.

Überall dort, wo Straßen saniert werden mussten, entstand auch in Husum große Unruhe wegen der teils sehr hohen Straßenausbaubeiträge, die von den Anliegern gezahlt werden müssen. Damit diese in vielen Fällen als nicht mehr verhältnismäßig wahrgenommenen Einzelbelastungen aufhören, hat die SPD Stadtfraktion von Anfang an die Einführung der wiederkehrenden Beiträge unterstützt. Diese stellen sicher, dass sich die Belastungen im Einzelfall durch einen vielfach höheren Teiler relativieren. Sie unterscheiden sich in einem Punkt ganz wesentlich von anderen Umlageverfahren, z. B. der Erhöhung der Grundsteuern zur Finanzierung von Ausbaumaßnahmen. Die wiederkehrenden Beiträge sind nämlich im Gegensatz zu den Grundsteuern zweckgebunden. Damit droht nicht die Gefahr, dass zusätzliche Mittel im allgemeinen Haushalt versickern und Straßen nach wie vor in einem schlechten Zustand verbleiben. Außerdem wichtig: Die wiederkehrenden Beiträge dürfen nur in der Höhe und für die Dauer der Finanzierung tatsächlich durchgeführter Maßnahmen erhoben werden.

Neben guten ökonomischen Bedingungen und guten Bildungschancen sind ein leistungsfähiges soziales Netz und eine vielfältige Kulturlandschaft Grundpfeiler unseres Gemeinwesens. Auch hier hat sich viel getan. Mit unserer Unterstützung konnte das Angebot an Kindertagesbetreuung ausgebaut werden. Beim Kinderschutzbund, bei der AWO, der Lebenshilfe und bei der Bundeswehr sind neue Plätze entstanden. In Husum wird eine weitere neue Kindertagesstätte entstehen. In der Zwischenzeit konnte das Auswahlverfahren für den neuen Träger abgeschlossen werden. Auch in die Ganztagsbetreuung an den Schulen wurde investiert und Bildung genießt insgesamt einen hohen Stellenwert in Husum. Bei der Kulturförderung setzen wir auf die große Vielfalt der Anbieter. Es ist der Mix aus etablierten und neuen Einrichtungen und Kulturschaffenden, die diese Stadt so bunt und lebenswert machen.

Husum lebt von seinem historischen Stadtbild. Die Innenstadt, der Hafen, die westliche Altstadt und das Schloss tragen wesentlich zum Charakter der Stadt bei. Neubauten müssen sich in dieses Umfeld einfügen ohne wertvolle historische Gebäude zu bedrängen und zu relativieren. Dabei muss auch moderne Architektur zugelassen werden. Es wäre falsch hier nur auf historisierende Kopien zu setzen. Jede Zeit in den letzten vierhundert Jahren hat die Entwicklung und das Erscheinungsbild der Stadt geprägt. Diesen Kurs sollten wir behutsam fortsetzen.

Freizeit, Erholung, Sport und Gesundheit sind wichtige Themen in der Stadt. Wir haben gemeinsam mit anderen Fraktionen die Grundlagen für die Weiterentwicklung des Klinikums beschlossen. Die Stadt soll noch besser zum Verweilen einladen. Deshalb müssen mehr Bereiche mit hohem Aufenthaltswert geschaffen und vorhandene Plätze müssen aufgewertet werden. Ein Beispiel ist hier die Kleikuhle, die nunmehr als wirklicher Platz hergestellt werden soll. Unsere Innenstadt mit dem vielfältigen und leistungsfähigen Angebot von Handel und Dienstleistungen ist ein großes Pfund, das uns unter den Mittelstädten in Schleswig-Holstein einzigartig macht. Die verkehrliche Erreichbarkeit – auch mit dem Auto – bei gleichzeitiger Verbesserung für Fahrradfahrer und Fußgänger bleibt eine Herausforderung. Sie ist aber alternativlos, wenn wir nicht die gleichen Fehler machen wollen wie andere Städte deren Innenstädte große Probleme haben.

Seit Jahren wissen wir schon, dass wir für das städtische Hallenbad einen Ersatz brauchen. Das vorhandene Bad hat das Ende der Restnutzungszeit erreicht. Weil am jetzigen Standort keine Entwicklung, zum Beispiel durch einen Außenbereich, aus Lärmschutzgründen möglich ist und weil ein Bau am selben Standort dazu führen würde, dass wir mindestens 2 Jahre kein Bad hätten, wird ein neuer Standort gesucht. Die Bedingungen für einen neuen Standort sind eine gute Erreichbarkeit durch eine gute Verkehrsanbindung, ausreichend Fläche auch für einen attraktiven Außenbereich, genügend Parkflächen und nicht zuletzt muss die Fläche baurechtlich ein Bad zulassen und es dürfen keine unverhältnismäßigen Kosten entstehen.

Die SPD Stadtfraktion steht dabei dem Vorschlag offen gegenüber im Zusammenhang mit dem Neubau eines Hallenbades auch planerisch weitere Freizeit und Sportangebote zu realisieren. Die Finanzierung muss dabei aber von den jeweiligen Vorhabenträgern sichergestellt werden. In jedem Fall ließen sich so Synergien bei der verkehrlichen Erschließung, bei Parkflächen und bei der energetischen Versorgung realisieren.

Husum ist eine wachsende Stadt und eine Stadt wachsender Anforderungen. Wir müssen in der Kommunalpolitik in diesem Spannungsfeld Entscheidungen treffen und Ziele festlegen. Wir Sozialdemokraten prägen die Kommunalpolitik in Husum seit vielen Jahren. Aktuell stellen wir mit Peter Empen den Bürgervorsteher. Der Hauptausschuss wird von Torsten Schumacher geleitet, der Umwelt- und Planungsausschuss von Dr. Ulf von Hielmcrone. Mit Inge Zimmermann im Werkausschuss und Torsten Schumacher im Ausschuss für Schule, Kultur und Sport stellen wir zwei stellvertretende Vorsitzende.

Wie sieht es mit dem Miteinander im Stadtverordnetenkollegium aus? Wir pflegen in den Ausschüssen und in der Zusammenarbeit mit der Verwaltung auch bei unterschiedlichen Auffassungen einen respektvollen und konstruktiven Umgang. Unsere Fraktionsarbeit zeichnet sich durch eine große Lebendigkeit aus, bei der es trotz zuweilen anstrengender und/oder dröger Themen durchaus auch humorvoll zugeht. Die Zusammenarbeit mit den Kollegen aus der FDP trägt zu dem guten Klima bei, befruchtet die politische Arbeit und zeichnet sich durch hohe gegenseitige Wertschätzung aus.

Deshalb gibt es auf die Frage, ob Kommunalpolitik auch heute noch Spaß macht zwei Antworten. Ja, sie macht Spaß, wenn man an der Entwicklung von Dingen Anteil hat und aus Beschlüssen auch entsprechende Ergebnisse werden und ja, es macht auch Spaß mit anderen zusammenzuarbeiten, zu diskutieren, manchmal auch zu streiten und im Ergebnis nachher geschlossen aufzutreten.

Ihr 

Horst Bauer, Fraktionsvorsitzender